Meetings können leicht in langen Erzählungen steckenbleiben: Probleme werden ausgebreitet, ohne dass sich etwas bewegt. Der entscheidende Unterschied im Tactical Meeting liegt in einer simplen, aber kraftvollen Frage: „Was brauchst du?“. Sie verschiebt den Fokus von der Problemspirale in den Lösungsraum. Wer ein Thema eingebracht hat, formuliert dadurch sofort einen konkreten Bedarf – und die Gruppe versteht unmittelbar, worum es geht.
Psychologischer Shift: Vom Problem zum Bedürfnis
Ein Beispiel: Statt ausführlich darzulegen, warum eine Schnittstelle nicht funktioniert, lautet die Antwort plötzlich: „Ich brauche, dass Rolle X mir bis Freitag die Spezifikation gibt.“ – ein präziser, umsetzbarer Schritt. Diese Wendung schafft Klarheit und aktiviert Eigenverantwortung.
Für die Moderation bedeutet das eine enorme Entlastung: Es geht nicht darum, Lösungen vorzuschlagen, sondern den Rahmen zu halten. Mit einer wiederholten Rückfrage wie „Hast du bekommen, was du brauchst?“ oder „Was brauchst du noch?“ bleibt der Fokus auf der Person mit dem Agenda-Punkt – und die Moderation bewahrt Neutralität.
Organisatorischer Effekt: Handlungsspielraum bewusst machen
Die Frage stärkt nicht nur die Rollenklarheit, sondern auch das Bewusstsein für die eigene Befugnis. Wer einen Agenda-Punkt einbringt, wird daran erinnert: Es braucht kein Buy-in von Kolleginnen, keinen Konsens und schon gar keine Erlaubnis einer vorgesetzten Person. Jede Rolle hat volle Autorität, innerhalb ihres Zwecks und ihrer Verantwortlichkeiten zu handeln.
Die wiederholte Einladung, den eigenen Bedarf zu benennen, führt zu einem klaren Blick: Was brauche ich, um meine Rolle wirksam auszuüben? Was fehlt, um meine Projekte voranzubringen? Dadurch entsteht ein produktiver Fokus – nicht auf Zustimmung, sondern auf die nächsten Schritte, die eigenständiges Handeln ermöglichen.
Ablauf zur Bearbeitung eines Agenda-Punkts
Damit die Frage ihre volle Wirkung entfaltet, hat sich im Tactical ein klarer Prozess etabliert:
1. Einstieg
- Die Bearbeitung jedes Agendapunkts beginnt mit der Frage: „Was brauchst du?“
2. Anliegen herausarbeiten
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Wenn ein Nächster Schritt oder ein Projekt erbeten wird:
– Zunächst klären, welche Rolle Adressat der Bitte ist.
– Nachfragen: „Würde das dem Sinn und Zweck dieser Rolle oder ihren Verantwortlichkeiten dienen?“ -
Wenn es darum geht, Raum für Austausch oder Ideen zu schaffen:
– Den Raum offen halten, bis die Person signalisiert, dass es für sie rund ist. -
Wenn eine wiederkehrende Erwartung formuliert wird:
– Verdeutlichen, dass wiederkehrende Erwartungen in die Governance gehören.
– Eine Governance-Spannung für den Anfragenden erfassen.
3. Abschluss
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Zum Ende eines Agenda-Punkts nachfragen: „Hast du bekommen, was du brauchst?“
– Falls ja: Der Secretary hakt den Punkt ab.
– Falls nein: Rückfrage „Was brauchst du noch?“ → zurück zu Schritt 2.
Mehr als eine Methode
„Was brauchst du?“ ist damit weit mehr als ein Protokollschritt. Es ist ein kleiner, aber wirksamer Hebel, um Zusammenarbeit zu transformieren: vom Erzählen zum Handeln, vom Problem zum konkreten Bedarf. Ein Hack, der nicht nur in Holacracy, sondern in jedem Meeting ausprobiert werden kann.
Moderationskarte für Tactical Meetings (kostenlos)
Der kompakte Spickzettel für den gesamten Ablauf – mit Schritten, Fragen und Optionen auf zwei Seiten. Perfekt als Begleiter im Meeting.