Holacracy® Grundlagen: Wie man sicherstellt, dass jemand etwas tut

Holacracy® Praxis Leitfaden

Wir haben alle das Recht zu entscheiden – wie stellt man also sicher, dass alle in dieselbe Richtung gehen? 

Wann immer ich Kennzahlen sehe, die als Ziele benutzt werden oder Verantwortlichkeiten, die “...sicherstellen” oder “...erreichen” enthalten, wird mir klar, dass tiefere Verwirrung darüber besteht, wie Holacracy funktioniert. 

Ein Teil der Verwirrung entsteht, weil Praktizierende versuchen, Verantwortlichkeiten für Dinge zu benutzen, die als Richtlinien besser funktionieren würden. So z.B. eine Verantwortlichkeit, die lautet, “Veranstaltungsort Bestätigungsmails einen Monat vor dem geplanten Datum verschicken”, erfordert lediglich, dass der Rollenfüller bewusst in Betracht zieht, diese Aktivität zu tun. Das ist ein ziemlich schwacher Hebel. 

Natürlich wollen die Leute dann wissen, “Ok, wie stelle ich sicher, dass jemand etwas tut?” Die Herausforderung ist, dass dir die Regeln von Holacracy keinen konventionellen Pfad dafür bieten; wobei der konventionelle Weg lautet,  Selbstverpflichtungen mit “Hoffnung und Schuldzuweisung”, oder “Ich bringe dich dazu, einzuwilligen etwas zu tun, so dass ich es vergessen kann und ich weise dir die Schuld zu, wenn du es nicht tust.”

Die Annahme, die hinter dem Bedürfnis des “Sicherstellens” liegt, ist dass die andere Person es sonst nicht tun würde. Ich muss sie dazu zwingen. Ich unterstelle eine geringe intrinsische Motivation, was normalerweise zutreffend ist in einer Umgebung, in der es wenig echte Entscheidungsbefugnis gibt. Doch durch die Praxis von Holacracy ist nun jeder Rollenfüller verantwortlich für seine Rollen (und kümmert sich um sie). Jeder hat die volle Befugnis, sein Urteilsvermögen in seinen Rollen zu nutzen und was vielen Kontrollfreaks klar wird, ist, dass in dieser Umgebung viele der befürchteten Problem niemals auftreten, weil die Rollenfüllerin das Problem selber erkannt hat.

Obwohl es also den Anschein hat, dass Holacracy die Möglichkeit der Kontrolle entfernt hat, ist es zutreffender zu sagen, dass die Regeln von Holacracy dieses Ziel durch eine nüchterne Sicht der Realität erreichen – die da lautet, “Das Leben ist unverhersehbar – wir haben oft keine Kontrolle darüber, was geschieht.” Daher, um sicherzustellen, dass etwas geschieht (wenn es dir wirklich wichtig ist), frag einfach.

  • Du willst wissen, woran ein anderes Kreismitglied arbeitet? Frag einfach. Er hat eine Pflicht, Projekte und nächste Schritte zu verfolgen und auf deine Frage zu antworten.
  • Du willst wissen, welche Arbeit ein Kreismitglied priorisiert? Frag einfach. Sie hat eine Pflicht auf deine Frage zu antworten.
  • Du willst wissen, wann ein Kreismitglied plant etwas fertigstellen? Frag einfach. Sie hat eine Pflicht, dir eine grobe Einschätzung (eine Voraussage) zu geben.
  • Du möchtest, dass ein Kreismitglied auf regelmäßiger Basis Updates gibt? Frag einfach. Bitte um ein neues Projekt oder einen Checklistenpunkt. Er hat die Pflicht, in Tactical Meetings darüber zu berichten. 
  • Bekommt ein Kreismitglied sein Zeug nicht erledigt? Frag einfach. Was ist los? Gibt es irgendwelche Hindernisse? Hat er einen Plan, um die Dinge wieder in die Spur zu bringen? Er hat eine Pflicht, dir zu antworten.
  • Möchtest du, dass ein Kreismitglied etwas besonderes tut, oder auf ein spezifisches Ziel hinarbeitet? Frag einfach. Sie hat eine Pflicht, es zu erfassen und zu verfolgen, oder zu erklären, warum sie es nicht kann.
  • Wartest du auf eine Antwort auf eine Frage in Bezug auf irgendeines der Dinge oben? Frag einfach. Kreismitglieder müssen sich darauf konzentrieren, die Fragen von Kollegen zu beantworten gegenüber der Ausführung der eigenen Arbeit. 

Also wie stellst du sicher, dass jemand etwas tut? Nun, du tust es nicht, da du Menschen nicht kontrollieren kannst (und ich meine nicht, dass du es nicht solltest, ich meine, dass du es nicht kannst). Stattdessen hat jeder Rollenfüller bestimmte fundamentale Rechte. Sachen, wie das Recht Entscheidungen unter Verwendung des eigenen besten Urteilsvermögens innerhalb der definierten Regeln, Erwartungen, Befugnisse und Vereinbarungen zu treffen (und natürlich kann man diese Erwartungen jederzeit durch Governance ergänzen oder verändern). 

Selbst wenn ich jemanden dazu zwingen kann, nach meiner Pfeife zu tanzen, funktioniert es wirklich? Das Beste, auf das du hoffen kannst, ist temporäre Konformität. Es gibt kein Ownership, weil sie nicht wissen, warum es wichtig ist.

Indem man Hoffnung/Schuldzuweisung “was-bis-wanns” verbietet, erreichen die Regeln dasselbe Ergebnis durch Transparenz und klare Vereinbarungen, was schlichtweg eine humanere und effektivere Weise ist, um Dinge erledigt zu bekommen.

 


Dieser Blogbeitrag erschien erstmals auf dem Blog von HolacracyOne. Das Original findest du hier. Die Übersetzung stammt von Xpreneurs mit freundlicher Genehmigung von HolacracyOne.

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